‚Die rassistische Erfahrung hockt in den Eingeweiden‘

Franziska Meister:

Die rassistische Erfahrung hockt in den Eingeweiden: «Pflichtlektüre!», verkündet Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison auf dem Buchumschlag von Ta-Nehisi Coates’ «Zwischen mir und der Welt». Ihr Zeigefinger ist dabei auf ein weisses Publikum gerichtet. In einem Brief an seinen vierzehnjährigen Sohn beschreibt Coates ebenso intim wie hellsichtig den aktuellen Zustand des schwarzen US-Amerika – eines US-Amerika, in dem sechzig Prozent aller jungen schwarzen Männer ohne Highschoolabschluss im Gefängnis landen. Oder schlimmer. «Ich schreibe dir jetzt, denn dies ist das Jahr, in dem du gesehen hast, wie Eric Garner erwürgt wurde, weil er Zigaretten verkaufte», schreibt Coates. «Du hast gesehen, wie Männer in Uniform im Vorbeifahren Tamir Rice ermordeten, einen zwölfjährigen Jungen, den sie ihrem Eid gemäss hätten beschützen sollen. (…) Und spätestens jetzt weisst du, dass die Polizeireviere deines Landes mit der Befugnis ausgestattet sind, deinen Körper zu zerstören.» …

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